Antrag Lohnverrechnung Handels KV

Antrag an das Wirtschaftsparlament der
Wirtschaftskammer Salzburg am 19. November 2019

Alle Unternehmen stöhnen unter den in den letzten zwei Jahrzehnten exorbitant gestiegenen Verwaltungstätigkeiten. Alles auf den 1995 durchgeführten EU-Beitritt zu schieben, ist nur eine ganz vereinfachte Sichtweise. Viele Verwaltungstätigkeiten sind in Österreich hausgemacht bzw. auch durch Übererfüllung von EU-Normen (Gold Plating) produziert.

Bei der Lohnverrechnung wird hingegen alles auf das Finanzamt und die Gebietskrankenkassen geschoben, weil diese vom Beliebtheitsgrad nicht sehr weit oben rangieren und weil es einfach ist. Bei genauer Analyse von durchzuführenden Lohnverrechnungen zeigt sich allerdings ein anderes Bild: Vor der Anmeldung eines neuen Arbeitnehmers und Einpflegung der Daten in das LV-Programm ist folgendes zu klären:

Inländer oder Ausländer,
Beschäftigungsbewilligung generell vorhanden,
Beschäftigungsbewilligung anfordern bzw. beantragen,
Meldung an das AMS,
Einstufung in die richtige Beschäftigungsgruppe lt. Dienstbeschreibung,
Erhebung der Vordienstzeiten (meistens ziemlich problematisch),
Einstufung in das richtige Beschäftigungsjahr,
Gesamt ergibt sich ein durchschnittlicher Aufwand dafür von 1,5 Stunden,
die Einpflegung der dann komplett vorhandenen Daten in das LV-Programmsamt elektronischer Anmeldung bei der GKK dauert weitere ca. 0,5 Stunden.

Somit ergibt sich, dass durch arbeits- und beschäftigungsrechtliche Vorschriften, sowie durch die Einstufungen in den jeweiligen Kollektivvertrag, die meiste Zeitbeanspruchung benötigt wird.

Da die Kollektivverträge immer umfangreicher geworden sindviele Positionen sindunnötig, da bereits gesetzlich fixiert, ergeben sich erhebliche zeitliche Belastungen.Bei einem Blick auf den neuen Kollektivvertrag für Angestellte und Lehrlinge im Handel, stellen sich folgende Fakten dar:

KV im eigentlichen Sinn von Seite 18 bis 79:62 Seiten
Anhänge von Seite 81 bis 161:​​​81 Seiten
Kommentar von Seite 165 bis 221:​​​57 Seiten
Muster-anlagen von Seite 222 bis 237:​​16 Seiten

Mit diesen insgesamt dann 237 Seiten soll ein kleiner Handelsbetrieb dann arbeiten und sich auskennen.

Über die verschiedensten Lösungen betreffend das Urlaubs- bzw. Weihnachtsgeld in den verschiedenen Kollektivverträgen beschäftigt sich jährlich das Zentralorgan der WKS, die Salzburger Wirtschaft, und gibt auf etlichen Seiten einen Überblick für die Unternehmer, damit jene dieses Kapitel richtig lösen.

Unseres Erachtens wird es höchste Zeit, in dem Bereich, in dem wir selber mitgestalten, an Vereinfachungen und Seitenkürzungen mitzuarbeiten bzw. dies als unser Ziel zu sehen. Damit könnte bereits in den nächsten 5 Jahren das Regelungswirrwarr in den bestehenden KV´s abgeschafft werden und einheitliche Diktionen und Formulierungen gefunden werden. Dadurch ließe sich in der Lohnverrechnung viel Zeit einsparen und die Kosten der Unternehmer verringern.

Die unterfertigten Delegierten stellen daher folgenden Antrag:

Die Wirtschaftskammer Salzburg fordert im Wege der Wirtschaftskammer Österreich die von der WKO entsandten Verhandler der Kollektivverträge auf, dass sich diese sich daran orientieren sollen, dass

bereits gesetzlich geregelte Positionen entfallen (z.B.: Urlaub etc.),
die Formulierungen auf das Nötigste und Wesentlichste gekürzt werden,
Abweichungen von gesetzlichen Regelungen möglichst vermieden werden,
die Texte in einem auch für rechtlich nicht versierte Unternehmer verständlichen Deutsch verfasst werden,
Aufbau und Textierung in einer Sparte möglichst vereinheitlicht werden,
Textierungen, die sich seit vielen Jahren unverändert halten und nicht mehr zeitgemäß sind, zu entfernen bzw. zu ersetzen, z.B. Kriegsbeschädigte (gibt es keine mehr im AN-Status)    kassenärztliche Bescheinigung (= Diskriminierung von anderen Ärzten ohne Kassen) und vieles mehr,
Vereinheitlichung von Weihnachts- und Urlaubsgeldern bzw. deren Basis je Sparte und
   jegliche Ausweitung von AN-Rechten über gesetzliche Regelungen hinaus durch Wünsche der Gewerkschaft abgelehnt werden.